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Die Klientin hatte erste Anzeichen einer MS nach der Geburt ihres ersten
Sohnes, die dann aber wieder verschwanden. Erst vor 8 Jahren, ein Jahr
nach dem Tod ihrer Mutter traten deutlichere Symptome auf, die dann als
Multiple Sklerose diagnostiziert wurden. Zur Zeit leidet sie unter massiven
Gehstörungen und Schmerzen am rechten Bein, Sehstörungen, sowie
einem Taubheitsgefühl in den Händen
Das Leben der Klientin war von Anfang an von Angst geprägt. Bereits
vor ihrer Geburt verloren ihre Eltern den einzigen Sohn durch einen Unfall,
als dieser sich beim Spielen mit einer Handgranate selbst in die Luft
sprengte. Fortan herrschte die Angst in der Famille, die sich schießlich
noch durch Flucht aus der Heimat verstärkte. Die Mutter der Klientin
begegnete dieser Angst und der inneren und äußeren Heimatlosigkeit,
indem sie ihre Tochter, ihr zweites Kind von Geburt an unterdrückte,
klein hielt und ihr offene und versteckte Ablehnung entgegenbrachte. In
der ersten Sitzung nimmt die Klientin wahr, dass die Mutter schon Angst
hatte als sie noch in ihrem Bauch war und dass aufgrund dieser Angst da
schon die Ablehnung begonnen hat.
(Hier ist eine Parallele zu sehen zu der Geburt des ersten Kindes der
Klientin. Auch die Klientin hatte massive Angst vor der neuen Situation
und fühlte sich von ihrem Kind abgelehnt. In diesem Zeitraum traten
die ersten Symptome auf.)
Die Klientin litt sehr unter der angstmachenden und drückenden Erziehung
durch die Mutter. Alles war gefährlich und man durfte nirgendwo anecken.
Meistens wurde die Klientin in die Ecke gestellt und sollte sich so wenig
wie möglich bewegen – “Am besten du hälst dich ganz
still, dann kannst du auch nichts falsch machen.” war einer der
Lieblingssätze ihrer Mutter. Und ,,Mutter hat immer recht, da kannst
du machen, was du willst” sagte schließlich auch schon der
Vater der Klientin. Währcnd der ganzen Kindheit erlebte die Klientin
immer wieder die Ablehnung,indem ihr die Mutter z.B. mitteilte, sie hätte
die Blutungen während der Schwangerschaft besser nicht behandelt
oder hätte sich besser mal auf die Bahnlinie gelegt, dann müßte
sie sich jetzt nicht mit ihr rumärgern. Desweiteren setzte die Mutter
Strategien ein, die die Klientin klein halten und dadurch anfeuern sollten,
stark zu werden.
Schließlich sollte es dem Kind doch irgendwann einmal besser gehen,
als ihr selbst.
Im Laufe der Therapie erlangt die Klientin deutliche Veränderungen
ihrer inneren Wirklichkeit. Sie fängt an sich zu bewegen und erlebt
Freude, Freiheit, Handlungskompetenz und Klärung. In der zweiten
Sitzung legt sich die Angst wie eine schwarze Decke über die Klientin
und verwandelt sich schließlich in ein schwarzes Loch in deren Mitte
ein Strudel ist, der die Klientin nach unten ziehen will. Als sie dies
erlaubt, landet sie bei einem Traum, den sie direkt nach der Diagnose
hatte. Sie wird in einen Iglu eingemauert und der letzte Stein wird gerade
reingeschoben. Hier beginnt die Klientin sich aktiv und mit Erfolg dagegen
zu wehren. Doch die Freude währt nur kurz, denn plötzlich stellt
sich die Mutter dem Stein, den die Klientin ins Rollen gebracht hat und
der sch1ieß1ich zur Lawine wird, in den Weg. Die Botschaft der Mutter
lautet: ,,Warum soll es dir besser gehen als mir." Die Klientin deckt
auf, dass in der ganzen Familie bis zu den Großeltern nur abgelehnte
Kinder waren, ungeliebt, ungewollt, in einem Fall sogar ein Kind, das
nur knapp einen Abtreibungsversuch überlebt hat.
An dieser Stelle wird die Klientin wach und beginnt sich aus der Verwicklung
mit ihrem Familienssystem nach und nach zu befreien, indem sie aktiv in
ihre inneren Bilder und Bildstrukturen eingreift. Somit wird eine bewußte
Destabilisierung der inneren Strukturen herbeigeführt, welche sich
dann nach und nach neu organisieren können. Plötzlich landet
die Klientin in ihrer Innenweltreise beim Tod der Mutter. Diese Situation
war von einem massiven Schock begleitet und kann eventuell als Auslöser
für den Ausbruch der Krankheit betrachtet werden, zumal der Zeitpunkt
des Krankheitsbeginns auf fast exakt ein Jahr später fällt.
Die Klientin selbst beschreibt die Situation mit den Worten: ,,Es war
der reine Terror, der sich konzentrierte."
In der Todesnacht der Mutter war die Klientin bei ihr im Haus. Als sie
schon im Bett lag stieg in ihr der Satz hoch - entweder geht sie jetzt
oder ich. Und damit konnte die Klientin ganz entspannt und friedlich einschlafen.
Arn nächsten Morgen fand sie ihre Mutter tot im Bett. Zunächst
fühlte die Klientin ein tiefes Loslassen und das innere Gefühl
von ,,Jetzt kann ich endlich leben'. Doch plötzlich schien ihr die
ganze Bösartigkeit der Mutter aus deren Gesicht entgegen zu springen.
Die Klientin war für einen Moment überzeugt, dass die Mutter
noch lebendig sei und dabei durchfuhr sie ein Schock, der sie bis ins
Mark erschütterte. Sie erinnerte sich an das Gebet, welches sie so
häufig gemeinsam mit der Mutter gesprochen hatte: ,,Lieber Gott,
lass uns alle zusammen sterben.' Und dann schien ihre tote Mutter zu sagen:
,,Warum sollst du leben, wenn ich tot bin - Warum soll es dir besser geben
als mir." Die Klientin erstarrte in ihrer Panik und hörte dann
noch einen weiteren Spruch ihrer Mutter, der sie ein Leben lang begleitet
hatte:
,,Die Welt ist schlecht und du wirst schon noch sehen, wie es dir geht,
wenn ich einmal tot bin.'
In der Sitzung kann die Klientin diesen Schock intensiv bearbeiten und
somit auch die angestaute Energie abfliessen lassen. Zugleich ist es wichtig,,
wie oben bereits erwähnt, dass sie sich selbst aktiv aus den familiären
Mustern und Verstrickungen befreit.
Weitere Sitzungen werden zeigen, wie sich die innere und äußere
Welt der Klientin durch diese eigenverantwortliche und aktive Selbstheilungsarbeit
verändern und welche Früchte sie tragen wird.
Weitere Berichte folgen
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