Gesundheitsministerin beim Symposium "Synergetik von Psyche und Gehirn"
Synergetik eröffnet neue Möglichkeiten zur Erfolgsmessung und Qualitätsverbesserung von Psychotherapie
Die Synergetik, die Theorie komplexer Systeme, verknüpft Neurowissenschaft mit Psychologie und liefert so neue Erkenntnisse über die Wirksamkeit psychotherapeutischer Interventionen. Über die daraus resultierende Neubestimmung der Psychotherapie diskutierten rund 170 Mediziner, Psychotherapeuten und Psychologen beim Symposium "Synergetik von Psyche und Gehirn" in der Donau-Universität Krems. Unter den Teilnehmern war auch Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat.


Psychotherapie war in der Medizin lange Zeit ein umstrittenes Gebiet, da ihre Auswirkungen nicht biologisch messbar waren. Mithilfe der Synergetik, der Theorie komplexer selbstorganisierender Systeme, könne man nun nachweisen, dass Psychotherapie wirkt, sagte Univ.-Prof. Dr. Walter Pieringer, Vorstand der Universitätsklinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie in Graz und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin (ÖGPPM) im Rahmen des Symposiums. Eine Reihe von Messdaten in Bezug auf psychische Prozesse habe es schon bisher gegeben, man habe aber nicht gewusst, was man mit der Datenflut anfangen solle. Die Synergetik ermögliche es, alle Messdaten zu verknüpfen, so Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Haken, der die Synergetik 1969 entwickelt hat und dem Kremser Symposium persönlich beiwohnte. Die Synergetik erklärt das Zusammenwirken von Einzelteilen in den unterschiedlichsten komplexen Systemen – von Wolkenstraßen bis hin zum Gehirn, das aus einem Netzwerk von Milliarden von Neuronen besteht.
Neubestimmung der Psychotherapie jenseits traditioneller Schulen

Wissenschaftlicher Leiter des Symposiums war Univ.-Prof. Dr. Günter Schiepek, Vorstandsvorsitzender am Forschungsinstitut für Komplexe Systeme in den Humanwissenschaften in München. Gemeinsam mit dem Leiter des Zentrums für Psychosoziale Medizin der Donau-Universität Krems, Dr. Anton Leitner, leistet er Pionierarbeit im Bereich der Psychotherapie-Forschung. Das erstaunliche Ergebnis der bisherigen Studien: „Die Psychotherapieverfahren sind in Methoden und Techniken unterschiedlich, aber in ihrer Wirkung gleich. Ausschlaggebend sind ganz andere Faktoren: der Zeitpunkt der Intervention oder Persönlichkeitsmerkmale sowie Motivation von Patient und Therapeut“, weiß Schiepek.
Das Ziel von Psychotherapie besteht darin, festgefahrene Muster des Denkens, des emotionalen Erlebens und Verhaltens aufzubrechen und dem Individuum seine Entwicklungsfähigkeit zurückzugeben. Da der Mensch und seine sozialen Beziehungen komplexe Systeme darstellen, muss man über die Funktionsweise solcher komplexer Systeme Bescheid wissen, um sie durch äußere Einflüsse steuern zu können. Die Synergetik erklärt ebendiese Funktionsweise. „Faszinierend ist, dass die aktuellen Entwicklungen der Gehirnforschung und der Psychobiologie optimal in diesen Rahmen passen, da ja auch das Gehirn als selbstorganisierendes System funktioniert“, so Schiepek. Die Synergetik liefert demnach den theoretischen Rahmen zur Erklärung der Zusammenhänge zwischen Psyche und Gehirn.
Neubestimmung der Psychotherapie jenseits traditioneller Schulen
Ziel des Symposiums „Synergetik von Psyche und Gehirn“ an der Donau-Universität Krems war es, den interdisziplinären Austausch zu ermöglichen und einen Impuls zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie geben. „Mit dieser Veranstaltung wollen wir den Weg von der Konfession hin zur Profession festigen“, sagte Leitner. Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat zog das persönliche Interesse an der Thematik zum Symposium nach Krems - einen ganzen Tag lang verfolgte Sie die Vorträge und Diskussionen zur Synergetik von Psyche und Gehirn.